Heute wollen wir mit dem Tapatío Bus nach Zapopan fahren und das historische Stadtzentrum von Guadalajara zu Fuss erkunden.
Unterwegs mit dem Trolley-Bus Linie 3 (Felipe Ángeles)
Zunächst steht jedoch ein schönes Frühstück auf dem Programm. Wir nehmen den Trolley-Bus der Linie 3, dessen Endhaltestelle ganz in der Nähe der Arcos liegt. Alles lässt sich wunderbar kombinieren, da der Bus in Richtung Stadtzentrum fährt.
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Die Fahrt mit dem Trolley-Bus ist durchaus komfortabel. Die Busse sind modern, relativ leise und das Ticket kostet 10 Pesos (0.5 CHF). Busfahrer nehmen selbst kein Geld entgegen. Man bezahlt entweder mit Münzen im Busautomaten oder mit einer vorher aufgeladenen Karte. Wir haben weder Münzen noch besitzen wir so eine Karte. Also bezahlt ein hilfsbereiter Mexikaner für uns mit seiner Karte, wir geben ihm die 20 Pesos. Die Fahrt verfolgen wir auf Google Maps, so dass wir rechtzeitig bei dem auserlesenen Café aussteigen.
Pigmento Café Guadalajara
In den Monaten vor der Abreise haben wir in Winterthur die Kaffeekultur ein wenig intensiver gepflegt. Sam vom B51.bar in Winterthur hatte uns eine grosse ECM Siebträgermaschine ausgeliehen und wir sind in die Welt der Kaffeezubereitung eingetaucht.



Seitdem suchen wir immer wieder nach Orten, die eine gewisse Liebe zum Kaffee vermitteln. In Baja California Sur fanden nur wenige, aus unserer Sicht gute Cafés. Hier haben wir heute das Café Pigmento gefunden. Interieur und Kaffee halten, was sie versprechen.
Mit dem Tapatío-Bus nach Zapopan
Nach dem Frühstück geht es weiter mit dem Trolley Bus der Linie 3 direkt ins Stadtzentrum. Da die Strasse an der Kathedrale gesperrt ist, müssen wir die Busse ein wenig suchen. Wieder kaufen wir Tickets für den Tapatío-Bus für 180 Pesos pro Person. Heute wird von den verschiedenen Sightseeing Touren die Route 3 nach Zapopan angeboten. Die Route 2 nach Tlaquepaque haben wir ja gestern schon absolviert.


Der Bus zirkelt im dichten Verkehr nach Nordwesten in Richtung Zapopan. Der Busfahrer schafft es meist, den tiefhängenden Ästen und Telefonleitungen auszuweichen und benutzt dafür häufig zwei Fahrspuren. Einmal schlägt ein Ast hart in die obere Frontscheibe. Wir verstehen nun, woher die Risse kommen. Sitzt man rechts aussen, muss man aufpassen, dass einem kein Ast ins Gesicht schlägt. Wenn man sich ausserdem überlegt, wo die Sonne relativ zur Fahrtroute stehen wird, kann man der direkten Sonne ausweichen.
Auf halber Stecke besteht die Möglichkeit, am Aquarium Michin auszusteigen. Wir verzichten auf einen Besuch.
Über weite Strecken stehen wir auf irgendwelchen Ausfallstrassen im Stau. Macht nichts, wir sitzen hier oben gut. Das Geschäftszentrum von Zapopan ist geprägt von modernen Hochhäusern, an denen die Namen der grossen Banken und Versicherungen angeschrieben sind.
Im historischen Zentrum von Zapopan angekommen drängen sich die erwarteten schönen Kolonialgebäude nicht gerade auf. Der Bus hält neben einem Park und der Busfahrer beschreibt, was man alles Schönes sehen und machen könnte. Doch im Gegensatz zu Tlaquepaque steigt niemand aus. Wir auch nicht. Stattdessen kommen wir mit einem Lehrer aus der Stadt Chihuahua ins Gespräch, der mit seiner Frau in den Ferien ist. Er spricht nur spanisch, scheint aber sehr intelligent zu sein. Jedenfalls ist er in der Lage, unsere ersten spanischen Gehversuche in ein schönes Gespräch zu verwandeln. Er gibt uns noch ein paar spannende Reisetipps für Bergregionen nördlich von Mexiko City. Ausserdem schürt er unsere Neugier auf die Stadt Chihuahua, die ebenfalls auf unserer Reiseliste steht.
Unter der Plaza Guadalajara
Am Plaza Guadaljara, dem Vorplatz der Kathedrale, ist uns bereits am Vortag der Zugang zu einem öffentlichen WC im Untergrund aufgefallen. Er erinnert mich an Unterführungen, in die man besser nicht absteigen sollte. Aber die Not ist gross, weshalb ich den Eingang kurz beobachte. Dabei stelle ich fest, dass ganz normale Leute ein und aus gehen. Wir fassen uns Mut und gehen herunter. Und siehe da: Es eröffnet sich ein bunt schillernder Markt mit ca. 50 kleinen Schmuck- und Uhrenläden. Halsketten und Armbänder werden vor Ort hergestellt und repariert.



Neben den Schmuckhändlern bieten auch Uhrmacher ihre Waren und ihr Handwerk feil. Das ist die Chance, endlich das eingerissene Armband von Karstens Uhr zu ersetzen. Für 100 MXN (5 CHF) gibt es ein neues, schickes schwarzes Lederarmband inklusive Montage. Er ist sehr glücklich darüber.
Die Toilette kostet übrigens wieder 6 Pesos und ist in Ordnung. Heute ist Samstag, die Stadt ist voll, ich muss etwas warten. Ich bin die einzige Gringa hier, die mexikanischen Frauen lächeln mich wohlwollend an …
Welttag des Buches
Bereits bei der Rückkehr von Zapopan sind uns geschmückte Autos und kostümierte Jugendliche aufgefallen. Bücherstände sind aufgebaut und eine eine überdachte Bühne steht mitten auf der Strasse. Wie dies alles zusammen passt, erschliesst sich uns etwas später.
Die Stadt Guadalajara hat einen besonderen Bezug zur Literatur. Jedes Jahr im November findet die Internationale Buchmesse von Guadalajara statt: die Feria Internacional del Libro de Guadalajara (FIL).
Eher zufällig landen wir zunächst im geschichtsträchtigen Restaurant d‘Oro. Hier bekommen wir mit unserem Tapatío Armband je ein Freigetränk. Es wird schöne Livemusik gespielt, aber nicht zu laut. Mir fällt die elegante weisse Geige eines der Musiker auf. Man kann gut sitzen. Eine leichten Brise weht um die Nase, während man von der Terrasse dem Treiben auf der Strasse zu sieht.

Wieder zurück auf der Strasse verstehen wir die Verkleidung der Jugendlichen: Heute, am 23. April, ist internationaler Tag des Buches und es findet ein Umzug statt. Verschiedene Schulen aus dem Bundesstaat Jalisco präsentieren Buchtitel. Wir haben Glück und kommen gerade rechtzeitig. Ich freue mich, dass ich so viele Bücher kenne, z.B.: „Alice im Wunderland“, „Aladin und die Wunderlampe“, „Ein Sommernachtstraum“, „1984“ und „Don Quichote“.
Was tun mit der Bucket List
Unser nächstes Reiseziel haben wir immer noch noch nicht entschieden. Daher verlängern wir unseren Aufenthalt spontan um eine Nacht. Der Abend wird nun mit Recherche und Abwägungen verbracht. Ich nutze meinen Lieblings-Ratgeber www.rome2rio.com. Karsten prüft die konkreten Flug- und Busoptionen bei den Anbietern. Folgende Überlegungen stehen im Raum:
- Option: Flug nach Puerto Escondido, danach mit dem Bus in die Stadt Oaxaca. Anschliessend via Mexico City zurück an die Baja California
- Option: Bus nach San Pancho (oder auch San Francisco genannt) und dann mit dem Bus weiter nach Norden bis Mazatlán. Von dort aus können wir mit Flugzeug oder Fähre zurück nach La Paz an der Baja California.
- Option: Mit dem Bus direkt nach Mazatlán und dann spontan weiter entscheiden (Mietwagen, Bus, Flugzeug nördlich, südlich, alles ist möglich).
Wir entscheiden uns für Mazatlán, einer grösseren Stadt an der Pazifikküste.
Für den Bus benötigen wir eine Reservation. Bei der Onlinebuchung scheitern wir wiederholt beim letzten Schritt. Das System akzeptiert unsere Kreditkarten nicht. Die Konsequenz ist, dass wir früh morgen wieder nach Zapopan müssen, um die Tickets am Schalter zu kaufen. Schade, heute wären wir ganz in der Nähe gewesen.
Aber der Entscheid ist gemacht, das erleichtert. Wir nippen noch den restlichen Wein von gestern aus den Tequila-Gläsern mit der Aussicht auf eine viel zu warme Nacht. Morgen müssen wir halt schnell nochmal mit dem grünen Linienbus nach Zapopan. Danach wollen wir ein weiteres schönes Café besuchen. Dort wird uns eine freudige Überraschung erwarten 🙂
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